Eher unterbewusst hatte ich mir das Ziel gesetzt, die Zeit vor der Geburt des Kindes ganz intensiv und sinnvoll zu nutzen, um an meinem Charakter und verschiedenen Baustellen meines Lebens zu arbeiten. Ich hatte ja bereits von einer Liste von Dingen berichtet, die ich nun seitdem nach und nach abarbeite – darunter auch meine Spinnen- und Konfliktangst. Nun, so gut gemeint mein Anliegen vielleicht war, so merkte ich in letzter Zeit zunehmend, wie es mich unter enormen Druck setzte. Obwohl ich um die Absurdität dieses Gedankens wusste, versuchte ich, vor der Geburt so perfekt wie möglich zu werden – weil ich ja danach zu nichts mehr komme und dann meine Vorbildrolle als Mutter einnehmen muss. Ab da ist jeder Fehler verheerend. Den Gedanken, dass es ja bereits jetzt Auswirkungen auf das Baby hat, wie ich mich fühle, verdrängte ich dabei stets vehement – das ging mir dann doch zu weit…

Nun ja, auf jeden Fall hatte ich am Wochenende dann eine Situation, in welcher ich mit diesem Sachverhalt gewaltig konfrontiert wurde. Mir wurde klar, dass es mir sehr schwer fällt, mir selbst zu vergeben und barmherzig mit mir selbst zu sein. Stattdessen legte ich mir mehr und mehr Druck auf, in der verbleibenden Zeit noch möglichst viel zu lernen und umzusetzen. Als wäre morgen dazu keine Gelegenheit mehr.

Ich dachte schon immer mal, dass das bestimmt übertrieben ist, fand es jedoch nicht allzu schlimm, diesen Ehrgeiz zu entwickeln. Ich meine, Zeit habe ich gerade, das heißt ich kann viel lesen, nachdenken und reflektieren. Was ich dabei allerdings nicht so richtig bemerkte:

Ich strebte ein perfektes, fehlerfreies Ich an.

Das hatte zur Folge, dass ich immer unbarmherziger und ungeduldiger mit mir selbst geworden bin – schließlich bleibt nicht mehr so viel Zeit!

Nach begangenen Fehlern brach ich regelrecht zusammen und bemitleidete mich selbst. Aber sich zurückzuziehen, im Selbstmitleid zu ertrinken und unglücklich zu sein bedeutet Kapitulation, zieht erst recht Versagen nach sich und raubt Kraft, um weiterzumachen. Man kämpft gegen sich selbst an und bleibt in der Vergangenheit stecken.

Aber dieses Wochenende hat ein Umdenken in mir begonnen.

Was tue ich da eigentlich? Ich werde niemals perfekt sein und als Mutter jämmerlich versagen, einen Fehler nach dem anderen machen und Dinge weiterhin lernen müssen. Kleine Baustellen werden verschwinden, größere werden mich noch Jahre lang begleiten. Neue werden hinzu kommen und ich werde mich selbst und mein Kind verletzen und enttäuschen. Aber das ist kein Weltuntergang und völlig normal! Ich werde eine normale Mutter sein, mit Stärken und Schwächen, Gaben und Fehlern. Manche Dinge werde ich erstaunlich gut, andere erschreckend schlecht machen. Davor brauche ich keine Angst haben. Und ich muss kein bestimmtes Level erreichen, um Mutter werden zu dürfen. Ich muss es mir nicht verdienen!

Gott hat mich auserwählt, die Mutter dieses Kindes zu werden und dementsprechend traut Er es mir zu – dann darf ich es mir ebenso zutrauen!

Er weiß um den Stand meiner Prozesse, kennt aber auch mein Herz, mein Bemühen und meine Sorgen. Deswegen kann ich Ihm voll vertrauen, dass Er weiß, was Er tut. Wenn Er mir dieses Kind schenkt, wird Er mich auch mit allem ausstatten, was ich für die Erziehung und Mutterrolle brauchen werde.

Heute kam noch ein Gedanke von Joyce Meyer hinzu:

Ich darf mich durchaus auch bereits während meiner Prozesse gern haben.

Joyce Meyer

Ich darf zufrieden sein mit dem Stand der Dinge – nicht in einer zurücklehnenden, sondern in einer gnädigen Art und Weise, die mir die Zeit gibt, die ich eben für manche Dinge brauche.

Wie befreiend das ist!
Ich darf versagen, gewaltige Fehler machen, Dinge beim hundertsten Mal immer noch nicht hinbekommen. Je mehr ich meine Unfähigkeit erkenne, desto mehr Platz kann ich Gott einräumen, damit Er sich ausbreitet und in meine Schwäche hinein wirkt. Er trägt das Kind in Seinen Händen und Er sorgt für sein Wohl.

Aber es braucht auch Mut, Fehler stehenzulassen. Man muss sich bewusst für diesen Schritt gegen den inneren Drang des Selbstmitleides entscheiden, immer wieder neu.
Das lohnt sich in der Folge aber gewaltig: Wenn man die Fehler sieht, sich entschuldigt, aufsteht und weitergeht, hat man den Fokus nach vorn gerichtet und kann aus dem Fehler lernen, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Außerdem lebt es sich glücklich und unbeschwert viel besser!

Fehler lassen sich nicht vermeiden, aber den Umgang mit ihnen hat man selbst der Hand.

Das will ich in Zukunft radikal ändern!
Und das soll die einzige Baustelle bis zur Geburt sein.

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