mein wundervolles Leben

15.03.2019
Heute ist endlich wieder Ultraschall. Zitternd sitze ich im Untersuchungszimmer. Ob das an den Blutungen liegt oder eine Vorahnung ist, weiß ich nicht.

Als die Ärztin kommt, erzähle ich ihr sofort von den beiden Blutungen. Sie macht ein besorgtes Gesicht und entscheidet sich, sofort nachzuschauen. Gebannt schaue ich zwischen dem Bildschirm und dem Gesicht der Ärztin hin und her – Ich habe zu wenig Erfahrung und finde den Herzschlag eh nicht. Sie schweigt viel zu lang, sucht und zoomt, misst und überlegt. Allmählich beginne ich, die schlechte Nachricht zu ahnen. Schließlich murmelt sie, dass sie tatsächlich keinen Herzschlag mehr finden kann.

Ich starre auf den Bildschirm, auf das kleine Baby, wo man doch schon Ärmchen erkennen kann. Ich starre und kann nichts sagen, nicht weinen, ich denke auch nichts in diesem Moment. Das kann nicht sein! Noch einmal schaut sie, dann bittet sie mich vom Stuhl herunter. Sie hat Tränen in den Augen und drückt mich. So mitfühlend ist sie und will es scheinbar auch nicht realisieren – so wie ich. Wie ferngesteuert ziehe ich mich an und setze mich auf einen Stuhl. Die Ärztin erklärt kurz, dass sich das Baby manchmal nicht richtig einnistet und nicht ordentlich ernährt wird, oder dass Chromosomen falsch geteilt werden und es dann nicht überleben könnte. Auch die Größe spreche nicht für eine gesunde Entwicklung: Das Baby müsste doppelt so groß sein. Mit 17mm hat es den Stand von der 8. Woche – Ich bin nun in der 10. Vor 10 Tagen etwa habe das Herz aufgehört zu schlagen.

Mein Schock weicht und nun treten mir Tränen in die Augen. Meine Ärztin fragt mich, welches Krankenhaus ich für die Ausschabung möchte. Gerade so kann ich die Kraft aufbringen und entscheiden, dass ich keine Ausschabung möchte – Ich möchte eine natürliche Kleine Geburt.

Plötzlich springt meine Ärztin auf: Sie hat eine Idee und meint, dass wir nochmal an ein anderes Gerät gehen. Wir durchqueren daraufhin ein anderes Patientenzimmer, wo eine weitere Frau wartet. Im nächsten Zimmer lege ich mich auf eine Liege und sie schaut von außen mit einem Ultraschallgerät. Sie erklärt, dass diese Methode immer etwas ungenauer ist, aber man könne den Herzschlag vielleicht hören und eventuell liege das Baby auch ungünstig. In mir keimt neue Hoffnung auf. Doch es ist vergeblich, wir hören nichts. Ihre letzte Hoffnung ist, dass es an sich einfach etwas kleiner ist und ich soll in fünf Tagen zum erneuten Messen wiederkommen. Sie berührt mich nochmal ermutigend an der Schulter und ich wanke hinaus. Alle Freude scheint in diesem Moment aus mir zu weichen.

Im Hausflur lehne ich meinen Kopf an die kühle Wand und lasse den Tränen freien Lauf. Das kann nicht wahr sein. Das Baby muss leben! Wie konnte das passieren? Wieso mein Baby, was habe ich falsch gemacht? …
Ich möchte die Sekunden zurückdrehen und nichts von alledem erleben. Zu schwer scheint mir die Last. Tränenüberströmt setze ich mich zu meinem Mann ins Auto. Zum Glück ist er da!

Fünf Tage heißt es nun warten bis zum nächsten Termin. Bis dahin werden wir beten, dass das Herzlein wieder anfängt zu schlagen, dass das Baby wächst. Gemeinsam weinen und beten wir den ganzen Vormittag, schwankend zwischen Zuversicht, Verunsicherung und Verzweiflung.

Mein Mann muss leider noch zwei Stunden in der Schule unterrichten. Für die Zwischenzeit verabrede ich mich mit einer Freundin. Von ihr weiß ich, dass sie etwa in der gleichen Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt hatte, und sie das Baby auch zuhause bekommen hat. Ich fühle mich bereits jetzt getragen und kann ihr alles ganz sachlich und gefasst erzählen. Gemeinsam beten wir und sie erzählt mir die genauen Abläufe der Kleinen Geburt.

Anschließend backe ich Cookies und es geht mir richtig gut. Ich bin voller Zuversicht. Mein Mann kommt wieder, als ich gerade aus lauter Erschöpfung eingeschlafen bin. Gemeinsam gehen wir lange spazieren und tauschen viele Gedanken aus. Es ist eine ganz besondere Atmosphäre zwischen uns beiden und obwohl es so schwer ist, verbringen wir einen erstaunlich wertvollen Nachmittag.
Abends gehen wir ganz schick essen. Das machen wir bewusst so – das soll ein schöner Tag sein! Außerdem ist Freitagabend bei uns eh immer Date-Night…

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