eins im Bauch, zwei im Herzen

Mein Bauch ist voller Leben. Da turnt und purzelt den ganzen Tag das kleine Baby herum. Jedes neu entdeckte Körperteil testet es aus. Es übt fleißig das Atmen mit dem Fruchtwasser und verschluckt sich regelmäßig daran, was einen niedlichen Schluckauf zur Folge hat. Die Umgebung wird erkundet und so manches Organ als Trampolin genutzt. Es ist aber auch zu schön, sich einfach gegen die untere Wand zu schieben und dann sanft in den Schlaf geschuckelt zu werden, weil Mama sofort aufs Klo rennt. Pausen scheint es nicht so viele zu geben – das ist aber auch alles viel zu spannend! Mal sehen, ob das Baby sich jetzt auspowert und später ruhig wird, oder ob es so ein lebhaftes Kind bleibt.

Immer wieder staune ich über die Vorstellung, dass in meinem Bauch ein ganz individueller Mensch heranreift – was für ein Wunder! Und wie neugierig ich darauf bin, es endlich kennenzulernen! Bei so manchen Boxern erkenne ich die offensichtliche Reaktion auf Dinge, die ich tue: Die Zeitschriftenecke, die unangenehm in den Bauch pieckst und da unbedingt wegmuss, das Vorlehnen beim Sitzen, was die unmittelbare Verteidigung des eingenommenen Bereiches des Babys auslöst, die Give-me-fives, wenn Papa von Arbeit kommt und seine Hand auf den Bauch legt.

Das alles offenbart mir schon ein klein wenig den Charakter dieses Menschen, der sich mitteilen möchte und dies erstaunlich gut hinbekommt. Superspannend!

Ich bin nun in der 26. Schwangerschaftswoche. Am Freitag habe ich Geburtstag – am gleichen Tag wäre mein erstes Baby zwei Monate alt geworden. Das ist ein ganz merkwürdiges Gefühl, weil es sich so falsch anfühlt, darüber nachzudenken. Und doch liegt es für mich auf der Hand. Ich dachte ja, dass ich mit 27 das erste Mal Mama werden würde und vom Herzen her bin ich das auf jeden Fall. Aber für wen zählt das schon, außer für mich? Kaum jemand denkt so, zählt mein erstes Baby mit. Ich merke, wie ich mir angewöhnen muss, in der Öffentlichkeit vom ersten Baby zu reden. Ich sehe ja ein, dass ich nicht jedem meine Geschichte erzählen kann. Doch für mich gehört sie zu meiner Gegenwart, zu diesem Baby in meinem Bauch.

So sind meine liebevollen Gedanken bei beiden Kindern und das ist okay so. Sie gehören nun mal beide dazu und ich liebe sie beide aus tiefstem Herzen.

Gefühle der Ablehnung

Immer mal wieder kommen bei mir Zeiten, in denen ich mit Gefühlen der Ablehnung zu kämpfen habe. Dieses Mal ging es mit einer kleinen, lieblosen Bemerkung einer nahestehenden Person meinem Mann gegenüber los. Das hat uns beide beschäftigt, aber das verkraftet man ja noch irgendwie. Dann kommen jedoch hier und da immer wieder kleine Ignorier-Aktionen und Kommentare dazu, die das züngelnde Feuerchen nähren. Plötzlich fallen mir dann wieder Ereignisse aus der Vergangenheit ein, die mich ja echt verletzt hatten. Die passen perfekt in dieses Gedankenkarussell rein, dass ich ja so gemieden, abgelehnt und irgendwie falsch bin. Das macht mich unsicher und still und ich ziehe mich in mich selbst zurück. Ich meide Kontakte, weil ich Angst davor habe, noch mehr verletzt zu werden – gleichzeitig wissend, dass ich damit auch wieder Freunde enttäusche, weil ich mich nicht melde. Was mit meinem Mann losging, nehme ich nun selbst von ihm an und distanziere mich innerlich auch von ihm, weil ich mich nicht gut genug und gleichzeitig zu viel fühle.

Das mit dem Herz ist echt so eine Sache, ganz schön kompliziert. Manchmal scheint es sich loszulösen und einfach seinen eigenen Weg zu gehen – ob ich nun hinterher komme oder nicht. Es versucht sich in Sicherheit zu bringen, während mein Kopf abwägt, widerspricht, kämpft und gegenhalten will. 

In den letzten Tagen ist eine lange, lange Liste entstanden mit Dingen, die ich ändern und angehen will. Während ich anfangs noch frustriert und selbstmitleidig schrieb, habe ich mehr und mehr begonnen, diese Liste als eine wunderbare Möglichkeit zu entdecken, in meinem Leben aufzuräumen und solche Tiefs zu nutzen. Nun bringe ich einen Punkt nach dem anderen vor Gott und lass ihn an die Wurzeln ran. Das wird bestimmt sehr lange dauern, weil ich manche Dinge schon seit meiner Kindheit mit mir herumtrage und sie immer wieder auflodern. Der normale Lauf der Dinge wäre gewesen, dass ich eine Zeit lang traurig bin und irgendwann dann wieder aufstehe und etwas verletzter als vorher weitergehe. Aber ich staune, wie viel Kraft dahintersteckt, wenn ich die Dinge angehe. Weh tut es trotzdem und ich strahle auch nicht sofort wieder. Die Prozesse sind schmerzhaft und gehen tief, aber ich fühle mich dafür in einer sinnvollen Phase der Veränderung.

Jack Frost schreibt in einem seiner Bücher, dass nicht unsere besten Freunde uns reifen lassen, sondern Menschen, die uns so richtig herausfordern und wehtun. Wenn wir uns dann entscheiden, siegend aus der Situation herauszugehen, dann lernen wir dazu und reifen. Dann wird es zum Segen.

Neues Leben

Es ist soweit – in mir wächst ein neues Leben heran.
Leicht waren die ersten drei Monate nicht. In den ersten Wochen habe ich es komplett geleugnet und nicht an mich herangelassen. Später rang dann immer wieder aufkeimende Angst mit dem ersehnten Vertrauen. Die Angst vor einem weiteren Verlust gegen das Vertrauen, dass dieses Mal alles gut wird, dass die Statistik auf meiner Seite ist. Und dass ich in Gottes Händen bin.

Jetzt, im fünften Monat, spüre ich das Kind in mir, wie es wächst, wie es um meine Aufmerksamkeit ringt, wie es seine Körperfunktionen austestet. Es ist atemberaubend niedlich! Ich kann mich nun fallenlassen in die Vorfreude, meine Gedanken schweifen lassen, Namen überlegen und über meine Rolle als werdende Mama sinnieren. Da kommt eine wirklich aufregende und alles verändernde Zeit auf mich zu!

Die Angst geht nicht weg. Immer wieder muss ich aktiv gegen Gedanken vorgehen, dass ich es ja immer noch verlieren könnte, dass jeden Moment wieder Blutungen einsetzen könnten, dass es diesmal alles noch viel schlimmer wäre. Aber das schiebe ich fast schon allergisch zur Seite. Es bringt ja doch nichts: Ich muss endlich lernen, Gott komplett zu vertrauen. Ich habe nichts davon in der Hand, und das ist auch besser so. Dieses unfassbare Wunder in mir drin weist mich immer wieder darauf hin, wie groß Gott eigentlich ist, wozu Er fähig ist! Und das lässt mich dann ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Eigentlich ist es ganz eindeutig: Gott zu vertrauen ist der Schlüssel zu einem sorglosen und dankbaren Leben.

Wo fängt ein Wunder an?

Ich bin auf der Suche nach übernatürlichen Erlebnissen in meinem Leben. Mein Wunsch ist es, Dinge zu erleben, die ich nicht anders als mit Gottes Eingreifen erklären kann. Ich weiß, dass sie real sind, dass wir mit Wundern rechnen dürfen und bin enttäuscht, wenn es dann doch etwas anders kommt, weitaus unspektakulärer ausgeht.

Und dennoch – fangen Wunder nicht schon viel eher an?

Vor drei Wochen bekam mein Vater ganz unvermittelt die Diagnose Hirntumor. Für mich brach kurzzeitig eine Welt zusammen und sämtliche Schreckensvorstellungen kamen mir in den Sinn. Kurz darauf wurde er operiert und der Tumor konnte fast vollständig entfernt werden. Und jetzt ist alles vorbei – Die OP verlief gut, der Tumor war gutartig und alle sind zufrieden. Ich bleibe etwas verwirrt zurück, weil alles so schnell ging. Emotional gesehen war das für meine Familie ein nahezu unerträgliches Auf und Ab – und jetzt ist plötzlich alles wieder gut. Die Horrordiagnose ist zu einer ab und zu zu überprüfenden, aber sonst voraussichtlich unauffälligen Sache geworden. Krebs, ja, aber irgendwie nicht mehr schlimm.

Während dieser Zeit beteten wir in der Notaufnahme – später auf dem MRT war das Ding trotzdem noch da. Wir schickten in der Gemeinde eine Gebetsmail herum – operiert werden musste trotzdem.

Aber obwohl es nicht so ein radikales Wunder ist, wo allen der Atem wegbleibt, frage ich mich, ob das nicht dennoch ein Wunder ohnegleichen ist? Ein Tumor, der wegen seiner Größe den Hirnwasserfluss hindert und an das Stammhirn drückt – somit also tatsächlich lebensbedrohlich ist, konnte entfernt werden und nun ist alles gut. Fast so, als wäre nichts gewesen.

Ich glaube, ein typisches Merkmal von Wundern ist, dass man etwas ratlos zurückbleibt und den Ereignissen gefühlsmäßig nicht hinterher kommt. Und das ist in unserem Fall definitiv der Fall.

Ich will also in diesem Fall von einem Wunder ausgehen und Gott dafür die Ehre geben.
Und gleichzeitig strecke ich mich weiterhin sehnsüchtig aus nach den großen Wundern. Da geht noch mehr!

…immer noch nicht???

Heute fragte mich eine Frau, die ich recht lange nicht gesehen habe, ob ich denn immer noch nicht schwanger sei. Ich kenne diese Frage von ihr. Es ist immer das Erste, was sie zu mir sagt, wenn sie mich sieht. Sie kommt aus Syrien – einer Kultur, in der einer Hochzeit immer unmittelbar ein Baby folgt.

Zum einen verstehe ich die Frage nicht. Also mal ganz abgesehen von meiner Situation jetzt – Meint sie, wenn sie fragt, sie könnte vielleicht die Erste sein, der ich es erzählen würde? Die Frage nimmt jeglichen Überraschungsmoment und platzt direkt mit der Tür ins Haus. Will man sowas denn wirklich auf diese Art und Weise erfahren?
Zum anderen wundere ich mich, dass die Kultur (wenn es da allgemein so Gang und Gebe ist) da so gar kein Feingefühl zu haben scheint, auch nicht die Frauen unter sich. Würde sie das Gleiche zum Beispiel eine Frau fragen wollen, die seit Jahren versucht, schwanger zu werden? Das gibt es ja nun auch überall!

Nun ist es so, dass ich diese Frau sehr mag. Aber als sie mich das heute mit ihrem Blick auf meinen Bauch gerichtet fragte, löste das neben einer peinlichen Berührung gleichzeitig auch richtigen Ärger in mir aus. Bin ich für sie nichts weiter als eine Frau, die gebären muss? Ist das alles, was ihr einfällt, wenn sie mich sieht?

Eher aus einem Affekt heraus erzählte ich ihr daraufhin unverblümt die Wahrheit. Dass dies eine schwere Frage für mich sei, weil ich ein Baby verloren habe. Sie war kurz ruhig und schaute mich nur verwirrt an. Dann wurde ihr Gesicht mit einem Mal viel sanfter. Wann, wollte sie wissen. Ihre nächste Frage irritierte mich: „Allein?“ Auf meine Nachfrage hin fragte sie konkreter: „Warst du allein oder hast du ein Medikament genommen?“ [Hier fragte sie nach einer Kleinen Geburt oder Ausschabung.] Sofort wusste ich, was sie mir daraufhin erzählte: „Ich habe auch ein Baby verloren. Aber schon viel eher, in der sechsten Woche. Aber ich bin gleich danach wieder schwanger geworden. Mein Mann möchte viele Kinder…“ Sie hat nun fünf Kinder und er drängelt nach einem sechsten. Sie war völlig überfordert mit meiner Aussage, dass ich nicht gleich im nächsten Monat wieder schwanger werden wollte.

Es war das erste Mal, dass ich mit einer „ebenfalls Betroffenen“ darüber sprach und nicht das Gefühl hatte, verstanden worden zu sein. Diese Frau durfte scheinbar ihre Trauer nie zulassen. Sie musste das Erlebte einfach wegstecken und weitermachen. Und gleichzeitig war da trotzdem dieser Blick in ihren Augen, der uns verband.

Kurz danach fühlte ich mich schlecht. Zum ersten Mal hatte ich das Erlebte als Rechtfertigung genutzt und nicht aus einer offenen Atmosphäre heraus erzählt. Aber irgendwie glaube ich, dass wir beide etwas aus dem Gespräch mitgenommen haben und unsere Herzen ein Stückchen weiter zusammengerutscht sind.

einmal ein Delfin sein…

Im Urlaub mieteten wir uns ein kleines Motorboot,
mit welchem wir dann drei Tage lang vor der kroatischen Küste  herumschipperten. Ich liebte es, ganz vorn auf dem Bug zu sitzen und die Füße herunterbaumeln zu lassen. Immer wieder tauchten meine Füße in das türkisfarbene Wasser oder ich wurde komplett nassgespritzt.
Während wir so über die Wellen düsten, fühlte ich mich wie ein Delfin – das Lieblingstier meiner Kindheit. Überhaupt fühlte ich mich in meine Kindheit zurückversetzt. Ich war einfach glücklich und musste so manches Mal laut losprusten, weil ich mich so freute und enorm viel Spaß hatte.
So saß ich glücklich da vorne auf dem Bug, sang, lachte und strahlte über das ganze Gesicht, weil ich mich wie ein Delfin fühlte…

Vielleicht klingt das komisch und kindisch. Aber mich hat dieser Moment in letzter Zeit immer wieder zum Nachdenken gebracht. Es ist selten geworden, dass ich mich so frei fühle, so unendlich glücklich und unbesorgt. Das Erwachsenwerden hat mich viele Dinge lernen und Verantwortung übernehmen lassen. Ich bin viel gesetzter und vernünftiger geworden. Das ist wichtig, allerdings ging das teilweise auf Kosten der kindlichen Unbeschwertheit und Fröhlichkeit.
Als Kind war ich eine unverbesserliche Tagträumerin. Ich erfand die tollsten Szenarien, in welchen ich mich befand. Ich vergaß alles um mich herum, sogar alle Probleme. Wann geht es mir denn heute mal so, dass ich so überglücklich bin, dass ich nur noch lachen und strahlen kann? Vielmehr bin ich gefangen vom Alltag, gestresst und Opfer meiner Umstände geworden.

Ich wünsche mir so sehr diese Unbefangenheit zurück. Ich möchte wieder solche Momente erleben, in denen gefühlt alles schön ist und ich einfach nur über den Moment staune.

Mensch ärgere dich nicht

Heute habe ich mit einigen Kindern Mensch ärgere dich nicht gespielt. Währenddessen fiel mir auf, dass dieses Spiel einen Gefühlszustand perfekt wiederspiegelt, in welchem ich mich in letzter Zeit immer wieder befinde.

Bei dem Spiel erarbeitest du dir mühsam Zug für Zug, du kommst mehr oder weniger schnell voran und nimmst bereits schnell eine Platzierung unter den anderen Mitspielern ein.
Und dann würfelt einer, setzt und – du fliegst raus. Im besten Fall entschuldigt der Rausschmeißer sich noch; richtig fies ist es dagegen, wenn du dazu noch ausgelacht wirst. Aber es hilft alles nichts: Du musst zurück und von vorn anfangen. Dreimal würfeln; und es kann lange dauern, bis du rauskommst! Und dann gehst du den gleichen Weg nochmal, Stück für Stück. Nur ab und zu überlegst du, wo du jetzt wärst, wenn du nicht rausgeworfen worden wärst…

Ziemlich genau so habe ich mich nach dem Verlust meines Babys gefühlt. Drei Monate war ich schwanger, plante die nächsten Monate mit dickem Bauch. Und dann zack, raus. Nochmal von vorn? Darauf hatte ich echt keinen Bock, der Gedanke an ein neues Baby hat mich regelrecht genervt und ich konnte mir es nicht vorstellen, wieder bei Null zu starten. Und sowieso, bestimmt würde ich voll Angst haben und mir Sorgen machen. Diese blöde 8. Woche, dann die 11. mit all ihren negativen Erinnerungen, darauf hatte ich echt keine Lust!

Aber dann ist ab und zu das Gefühl da, dass ich ja nicht darum herum komme. Eigentlich will ich ja doch irgendwie Kinder haben. Früher oder später muss ich da also durch.

Und wie beim Mensch ärgere dich nicht kommt man dann wohl irgendwann klar mit der neuen Situation. Man fängt halt wieder von vorn an und wenn man sich darauf einlässt, macht das Spiel vielleicht sogar wieder Spaß!

mit der Vergangenheit versöhnt

Ausgelöst durch ein Gespräch mit einer guten Freundin habe ich diese Woche vermehrt darüber sinniert, wie es mir mittlerweile in Bezug auf das Baby geht. Während ich es meistens nicht so richtig in ein Gefühl packen konnte, sondern es eher als ein Auf und Ab wahrgenommen habe, hatte ich diese Woche einen ganz klaren Scheidepunkt. Ich wartete gerade an einer Fußgängerampel und beobachtete die Menschen um mich herum. Und da nahm ich plötzlich ein neues Gefühl in mir wahr:
einen absoluten Frieden über das, was passiert ist.

Ich bin mit meiner Vergangenheit versöhnt, damit, das Baby verloren zu haben. Versteht mich nicht falsch: Wenn ich es mir raussuchen könnte, wäre ich gern im fünften Monat schwanger und würde das Leben in mir spüren, unbedingt!
Aber ich möchte das Geschehene trotzdem nicht missen. Ich habe eine sehr schwere Zeit durchgemacht und das Schlimmste liegt nun hinter mir. Ich habe das irgendwie durchgestanden, den Schmerz ausgehalten. Jetzt trage ich die Gewissheit in mir, dass im Himmel ein Baby auf mich wartet, mein Baby. Und diese Gewissheit möchte ich nicht mehr missen. Ich könnte regelrecht hüpfen vor Freude bei dem Gedanken daran und ich kann die Vorstellung nicht ertragen, ohne diese Zuversicht leben zu müssen. Ich möchte nicht »nicht schwanger« gewesen sein. Es fällt mir schwer, dieses Gefühl in Worte zu packen, vielleicht macht das für Außenstehende keinen Sinn.

Aber für mich war dieser Moment der Erkenntnis ein Durchbruch. Diese Erfahrung, die ich gemacht habe, ist inzwischen okay für mich, sogar schön irgendwie, auch wenn das seltsam, ja fast absurd klingt.
Ich liebe den Gedanken an mein Kind im Himmel, dem es richtig gut geht, und das ich für eine kurze Zeit bei mir tragen durfte.

Ich möchte nicht »nicht schwanger« gewesen sein.

Zerplatzte Träume

Das Leben ist voller Träume.
Wenn ich an meine Zukunft denke, blüht meine Fantasie auf. Dann sehe ich viele Kinder um mich herumspringen, Freunde an meiner Seite, Erfüllung im Gemeindedienst, einen liebenden Ehemann und ich mittendrin – vor Freude glücklich strahlend und zufrieden in mir selbst ruhend.
Und auch die unmittelbar vor mir liegende Zeit erträume ich mir in facettenreichen Details. Ich möchte charakterliche Baustellen, an denen ich gerade dran bin, bewältigt haben, ich möchte diese oder jene Freundschaft wiederbelebt wissen, ich möchte viel liebevoller mit mir selbst umgehen und so einige wundervolle Tage erlebt haben.

Da sind also eine Menge Träume. Manche werden nie erfüllt und das ist okay. Sie lösen sich in Luft auf und werden gleichzeitig von anderen Dingen ersetzt. Und der Verlust fällt gar nicht sonderlich auf.

Aber was ist mit den großen Träumen, die schon immer in unserem Herzen sind und mit den Jahren herangereift sind? Was, wenn diese sich nie erfüllen? Was, wenn alles danach aussieht, dass man sich von dem Traum lossagen muss?

Ich weiß, dass ich keinen Anspruch darauf habe, dass mir auch nur einer dieser Träume erfüllt wird. Jeder einzelne ist ein Geschenk und ein Stück Himmel auf Erden. Gott liebt es, Träume zu erfüllen! Wir kennen das doch auch: Das schönste Geschenk machen wir unseren Lieben, indem wir einen langersehnten Traum wahr machen!
Manche Träume hat uns Gott selbst ins Herz gelegt und sie sind eine Art liebevoller Antrieb. Wir sehnen uns regelrecht danach, alles dafür zu tun, dass dieser Traum Wirklichkeit wird.

Aber was ist nun, wenn es nicht klappt?

Was, wenn wir mehr und mehr erahnen, dass sich dieser Traum niemals erfüllen wird?
Zunächst ist da Verzweiflung, ein Gefühl der Ohnmacht und Sinnlosigkeit. Dann ist da Selbstmitleid, Vorwurf und Bedauern.

Aber wie geht es weiter? Das ist nämlich die ganz entscheidende Frage!
Bleiben wir stehen? Lassen wir es zu, dass unser Herz bitter wird?
Oder sehen wir nach vorn und vertrauen Gott, dass Sein Plan NOCH besser ist als unserer? Dass Er einen noch perfekteren Weg weiß und dass Er tatsächlich rechtzeitig eingreifen wird?

Ich möchte diese Perspektive bekommen. Ich möchte Gott meine Träume anvertrauen und Ihm die Kontrolle darüber abgeben. Ich lehne mich einfach zurück und lasse mich überraschen. Und dabei höre ich nicht auf zu träumen! Ich will weiterhin große Dinge träumen, Großes von Gott erwarten und vor allem will ich niemals, dass es langweilig wird!


Angriffe auf Frauen

In meinem Umfeld nehme ich seit längerem wahr, dass viele Frauen sehr herausgefordert und ausgelaugt sind. Nahezu alle meiner Freundinnen leiden unter gesundheitlichen Problemen, kämpfen mit persönlichen Krisen oder sind einfach unglaublich erschöpft. Bei den Erholungskuren klatschen sie sich die Hände ab und wir geben uns gegenseitig Tipps gegen Augenringe.
Klar, diese never ending graue Jahreszeit setzt der Seele zu. Aber das kann doch nicht der ausschlaggebende Grund dafür sein! Außerdem sind viele dieser Frauen kämpferischer Natur und nicht lediglich vom Wetter unterzukriegen. Warum also ist das so?

Ich muss leider zugeben, dass ich die Antwort nicht kenne.
Aber ich habe eine Theorie.

Was wäre die Welt ohne Frauen?
Keine Angst, das wird jetzt kein feministischer Artikel. Aber Frauen haben eine entscheidende Funktion. Wir bringen Gefühl in das Zwischenmenschliche, wir halten Familien zusammen, wir bestehen regelrecht auf Kommunikation. Unsere Emotionalität ist manchmal kaum auszuhalten (weder für uns selbst noch für die Außenstehenden), aber sie macht die Welt doch viel gefühlvoller. Wir spüren Dinge, wir bereichern und ergänzen die Männerwelt mit unserer Andersartigkeit.
Und so weiter, klar.

Bei aller Kraft, Unabhängigkeit und Beständigkeit des Mannes hat die Frau also eine ganz entscheidende Funktion in der Familie. Na, und das weiß der Teufel! Dementsprechend schwächt er ganz gezielt die Frau – und schadet damit automatisch der gesamten Familie. So war es ja bereits im Sündenfall: Eva wurde direkt attackiert, nicht Adam.

Und genau das sehe ich, wenn ich mich umschaue. Frauen werden angegriffen, immer wieder vor allem in ihrem Selbstwertgefühl. Manchmal langanhaltend und beständig, bis sie langsam schwächer werden, manchmal direkt und hart mit einem Schicksalsschlag. Das bringt früher oder später auch den Mann ins Wanken. Er versteht die Frau nicht mehr, er kann der ständigen Belastung nicht ewig standhalten und Rücksicht auf sie nehmen will er ja auch. Infolgedessen leiden natürlich auch die Kinder und die Freundschaften der beiden und die Spirale führt abwärts.

Bei mir selbst erlebe ich genau das. Mein Selbstwert ist definitiv immer wieder eine Angriffsfläche und ich kämpfe ständig gegen minderwertige Gedanken über mich selbst. Einen Schicksalsschlag musste ich dieses Jahr auch erleben. Darunter leiden meine junge Ehe, unsere Freundschaften und letztendlich auch die Gemeinde, in der uns der Dienst unter diesen Umständen schwerfällt.

In meinem Bad hängt ein Gedicht, was ich mir oft beim Zähneputzen durchlese. Darin heißt es: „Gott, mach uns zu gefährlichen Frauen! Mögen wir Frauen sein, die sich ihrer Kraft bewusst sind“. Ich glaube, darin liegt unser Geheimnis. Wenn wir es schaffen, uns nicht unterkriegen zu lassen, aufzustehen und den Angriffen standzuhalten, dann haben wir richtig viel Kraft. Das ist genau das, was der Teufel verhindern will, denn auch er weiß um dieses Potenzial.
Aus diesem Grund möchte ich uns Frauen ermutigen, aufzustehen, auf unsere Schönheit zu blicken und uns bewusst zu machen, wie kraftvoll und wichtig wir sind. Lasst uns nicht aufgeben, sondern dem Sieg nachjagen!

45 Tage Leben – Schicksalsschlag Fehlgeburt

H19.04.2019
eute ist es nun vier Wochen her, dass ich mein Baby verloren habe. Insgesamt fällt mir auf, dass die Zeit extrem intensiv war und ich von dem Auf und Ab völlig ausgepowert bin. Es gab echt harte Momente, in denen ich so verzweifelt war wie nie zuvor und keinen Sinn mehr in meinem Leben gesehen habe. Ich hatte das Gefühl, Gott mein Leben lang missverstanden zu haben. Gleichzeitig war mir jedoch die ganze Zeit über bewusst, dass Er an meiner Seite ist und mit mir weint.

Überdies gab und gibt es diese Momente des Friedens, und die werden immer häufiger. Gott ist treu und er trägt mich durch diese Zeit. Er ist wahnsinnig geduldig und lässt mir alle Zeit, die ich brauche. Er lässt mir Ermutigungen zukommen auf jede denkbare Art und nimmt mir langsam die Angst davor, in die Zukunft zu blicken.

Mein Baby ist direkt zu Gott gegangen, ohne die Welt je kennenzulernen.
Eine Zeit lang hat mich die Sehnsucht verrückt gemacht, mein Baby einmal kurz drücken zu können. Bei dem Gedanken kommen mir gleich wieder die Tränen. Ich wünsche es mir immer noch, so sehr wie nichts anderes auf der Welt. Aber ich habe gelernt, die Umarmungen meines Mannes als eine Verbindung zu unserem Baby zu verstehen. In uns beiden liegt auch ein Stück unseres Kindes und darin verbirgt sich eine unglaubliche Kraftquelle für mich.

Vielleicht lässt es sich so ganz gut zusammenfassen:
Das Herz meines Babys ist stehen geblieben, und mein Herz ist irgendwo auf der Strecke hängengeblieben, während ich im Alltag weiter funktionieren muss. Doch es wird heilen und irgendwann wird es wieder hinterherkommen.

45 Tage Leben – Schicksalsschlag Fehlgeburt

M18.04.2019
omentan ist für mich die größte Herausforderung, gegen Gefühle der Einsamkeit zu kämpfen. Immer wieder klopfen sie an: in der Bahn, während des Laufens, am PC auf Arbeit und vor allem, wenn ich schwangere Frauen oder Mütter mit ihren Kindern sehe. Allein gehe ich durch die Welt, ohne Baby im Bauch und gefühlt auch ohne Unterstützung von außen.

Ich habe das Gefühl, für Gruppen noch nicht geeignet zu sein. Ich weiß nicht wohin mit mir selbst und erschrecke über jedes Lachen von mir, weil ich sofort denke, dass ich doch traurig sein müsste. Ganz stark kämpfe ich zudem mit Minderwertigkeitsgedanken und gehe davon aus, dass sowieso niemand mehr mit mir Zeit verbringen möchte, so depressiv wie ich bin. Ich fühle mich wie eine Versagerin, der es auf die Stirn gestempelt steht. Dabei kenne ich die Wahrheiten, die über mir gelten. Ich weiß, dass ich geliebt und wertvoll bin. Im Kopf zumindest. Aber im Herzen?
Wir fahren jetzt für eine Woche nach Albanien zu einem Jugendeinsatz und ich werde ein Thema in der Mädchengruppe über genau diese Aussagen halten: Du bist unendlich geliebt und Gott hat so gute Gedanken über dich! Es fällt mir überraschend leicht, das über andere auszusprechen, ihre positiven Seiten zu finden und sie damit zu ermutigen. Aber es ist so schwer, das für mich selbst anzunehmen, bis es rüttelfest verankert ist und mich durch solche Tiefen trägt. Dahin möchte ich!

45 Tage Leben – Schicksalsschlag Fehlgeburt

D15.04.2019
ie Sonne scheint, die Vögel zwitschern und die Tage sind endlich wieder länger. Der Frühling vertreibt dunkle Gedanken und auch ich spüre, wie mein Innerstes gegen die andauernde Trauer aufbegehrt. Ich möchte wieder ausgelassen lachen, die Sorgen wegwischen und unbeschwert sein! Der Schmerz ist noch da, keine Frage. Sobald ich allein bin, breitet sich die tiefe Leere in mir aus und es scheint falsch, glücklich zu sein. Erst gestern habe ich ein Foto von einem Neugeborenen geschickt bekommen – das hat mich schon erstmal aus der Bahn geworfen. Aber ich strecke mich gleichzeitig danach aus, weiterzugehen und mein Gesicht lächelnd in der Sonne zu wärmen.  
Der Nebel von gestern hat die Erde befeuchtet und seine Spuren hinterlassen, aber die Sonne von heute wärmt und trocknet alles wieder. Und letztendlich bringt genau diese Kombination Leben hervor!

Kurzes körperliches Update:
Gestern hatte ich extreme Unterleibschmerzen und war mir sicher, dass ich über Nacht nun meine Periode bekommen werde. Aber dem war nicht so und nun frage ich mich, was das gestern war…

Emotional werde ich ganz, ganz langsam wieder stabiler. An Tagen, wo ich eine Erinnerung daran brauche, dass ich wertvoll und geliebt bin, trage ich meinen Verlobungsring. Diesen habe ich von meinem Ehemann mit dem Zuspruch bekommen, dass ich ein kostbarer Juwel bin. Ich war (und bin) ganz schön auf der Suche nach meinem Selbstwert durch die ganze Sache. Es ist eine echte Herausforderung, das Erlebte nicht auf mich selbst und meinen Körper zu schieben.

Diese emotionale Achterbahn musste mein Ehemann aushalten und ihr standhalten – und dabei betrifft ihn der Verlust des Babys ja selbst! Ich kann schon verstehen, dass Ehepaare sich voneinander entfernen oder sogar nach so einem Erlebnis auseinandergehen. Das passiert bei uns jetzt glücklichweise nicht! Aber man geht so unterschiedlich damit um und man erwartet so verschiedene Dinge vom anderen. Hinzukommend sind wir beide ja noch nicht lange verheiratet; das heißt wir kennen uns noch nicht so gut. So viele Dinge haben wir in dieser Zeit jetzt missverstanden oder nicht nachvollziehen können, was der andere tat oder sagte. Für uns war der beste und vielleicht einzige Weg, Zeit miteinander zu verbringen, um ganz ehrlich zu reden und miteinander zu beten.
Was auch richtig gut tat:  Wir sind einfach mal an der Haustür losgelaufen und waren stundenlang wandern, Kaffee trinken und beim Griechen essen. Qualitytime 🙂