mein wundervolles Leben

20.03.2019
Da gestern Abend und die Nacht sehr schwer waren, entscheide ich mich, zuhause zu bleiben und nicht zu arbeiten. Der Vormittag tut mir gut: Ich schlafe aus, frühstücke in Ruhe und nehme mir bewusst Zeit für mich. Ich gehe in der warmen Frühlingssonne spazieren und mache viel Lobpreis. Schließlich kommt mein Mann von der Arbeit zurück. Meine Mama schaut kurz vorbei und schenkt uns einen Strauß Blumen. Mein Mann und ich setzen uns noch einmal auf den Boden und beten kniend um ein Wunder. Wir glauben daran, dass Gott Leben will und so wie er aus einer Eizelle und einem Spermium Leben schaffen kann, so kann er auch ein Herz wieder zum Schlagen bringen! Wir nehmen Abendmahl und fühlen uns gestärkt und bereit.

Ja, und dann fahren wir zum gefürchteten, ersehnten Frauenarzttermin. Mein Mann ist das erste Mal dabei, ich habe ihn darum gebeten. Leider müssen wir fast eine Stunde warten, bis wir dran sind. Ich habe eiskalte Hände, gehe in der Zeit zweimal aufs Klo und versuche, über alles andere zu reden, um mich abzulenken. Dann geht mit einem Mal alles ganz schnell. Ich sitze auf dem Stuhl und schnell wird klar, dass die Ärztin wieder keinen Herzschlag finden kann. Sie sucht und sucht, und nachdem ich etwas flackern gesehen habe, meint auch sie, dass sie dachte, etwas zappeln zu sehen. Die Gebärmutter ist noch so ungewöhnlich rund und auch der Beta HCG-Wert ist erstaunlich hoch: 24000. Aber das Herz schlägt eben nicht. Und gewachsen ist das Baby auch keinen Millimeter. Sie ist sich nun recht sicher und legt mir nahe, mich nun innerlich auf die Fehlgeburt vorzubereiten. Dennoch gehe ich irgendwie zuversichtlich aus der Praxis. Ich halte daran fest, dass Gott ein Wunder tun wird!

Abends beim Ausziehen merke ich, dass meine Brüste weniger spannen. Ich fühle mich nicht mehr schwanger. Im Bett bekomme ich erneut einen Heulkrampf. In mir wächst die Gewissheit, dass keine Hoffnung mehr besteht, dass das Herzlein meines Babys nie wieder schlagen wird.

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