mein wundervolles Leben

24.03.2019
Es dauert lange, bis ich mich das erste Mal wieder bewusst im Spiegel betrachten kann. So sieht also eine Frau aus, die ihr Baby verloren hat. So viel Traurigkeit liegt in ihren Augen. Ob diese jemals wieder der Freude weichen kann? Ob der Schmerz nachlassen wird? Ich möchte doch strahlen!

Ähnlich geht es mir mit meinem Körper. Das ganze Blut, das ich verliere, lässt mich vor mir selbst ekeln. Bald schon schmeiße ich das blutverschmierte Klopapier wütend in die Toilette. Wird es nie ein Ende nehmen? Habe ich nicht genug ertragen? Muss ich jetzt wirklich noch länger auch körperlich leiden? Außerdem sind da die Schuldgefühle, die mich meinen Körper in einem neuen Licht betrachten lassen. Was stimmt mit mir nicht? Warum ist das Baby in meinem Körper gestorben? Warum funktioniert er nicht ordentlich?

Doch unterbewusst spüre ich, wie sehr mein Körper kämpft. Noch habe ich starke Bauchkrämpfe und mein Kreislauf ist sehr instabil. Sobald ich länger nichts gegessen habe, weicht meine Energie, ich werde noch schwächer und mein Kreislauf  zwingt mich zur absoluten Ruhe. Ich beginne fast widerwillig zu realisieren, wie stark mein Körper ist. Er kämpft, und er gibt nicht auf. Gegen meinen Willen holt er sich jede Mahlzeit ohne Kompromisse. Er zieht mich mit und beeindruckt mich damit irgendwie. Und das, obwohl ich ihn gerade echt nicht leiden kann!

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