Nun bin ich Mama.
Was ist jetzt anders?
Ich habe definitiv weniger Zeit für mich. Diese Woche habe ich es gefeiert, zwischen zwei Still-Phasen meine Fußnägel zu lackieren. Das habe ich einfach dringend gebraucht. Aber drei Minuten lang Zähne putzen wird schon schwierig, meistens stecke ich währenddessen noch zweimal das Nuckel zurück in Babys Mund.

Paradoxerweise habe ich viel Zeit, um über alles Mögliche nachzudenken. In der Nacht bin ich kaum im Tiefschlaf, vielmehr döse ich vor mich hin. Daher träume ich ständig irgendetwas. Während des Stillens fallen mir dann nach und nach verschiedene Träume ein, über die ich nachdenke und die ich versuche, einzuordnen. Überhaupt fallen mir beim Stillen sämtliche Ereignisse meines Lebens wieder ein, vor allem jene, die ich längst vergessen hatte.

Das Wochenbett ist eine sehr aufwühlende Erfahrung. Obwohl alle davon reden, war ich vom Ausmaß überrumpelt. So einschränkend hatte ich mir das nicht vorgestellt! Obwohl meine Hormone anfangs noch relativ gnädig mit mir waren, schlugen sie mit Einsetzen meiner Periode in Woche vier mit voller Wucht zu. Plötzlich war alles schlimm und zu viel und ich fühlte mich überfordert und einsam.

Die momentane Situation mit Corona ging zunächst ein wenig an mir vorrüber. Ich bemerkte nur, dass wir nicht mit dem Besucheransturm in den ersten Wochen zu kämpfen hatten, vor dem viele Mütter warnen. Da ich ja aber nicht raus ging, kamen mir die Erzählungen der anderen skurril und unwirklich vor. Anstehen, um einkaufen zu dürfen, Einkaufswagenpflicht, geschlossene Geschäfte? Verrückt.
Für uns war es tatsächlich eine gesegnete erste Zeit als Familie. Wir konnten uns in Ruhe kennenlernen und den neuen Alltag organisieren.

Eine Lektion für mich war es auch, um jede Kleinigkeit bitten zu müssen. Sonst packe ich immer am liebsten selbst an und bitte nicht so schnell um Hilfe. Aber nun musste ich mir jede Socke hertragen lassen und jeden Wunsch klar ausformulieren. Das will gelernt sein! Dazu gehörte auch die Lektion, geduldig abzuwarten und Andersartigkeit auszuhalten. Ich erledige die Dinge zwar nach einer gewissen Logik und habe ein bestimmtes System in meiner Wohnung, aber jemand anderes macht das unter Umständen ganz anders und das kann genauso in Ordnung sein – in einer anderen Reihenfolge, mit anderen Prioritäten, nach anderen Vorstellungen. Und ich saß da, schaute zu und lernte, es zu akzeptieren und geduldig abzuwarten. Klingt vielleicht banal, ist aber durchaus ein Thema für mich gewesen.

Woran ich mich noch immer nicht so richtig gewöhnt habe, ist der Blick auf mein kleines Baby. Es gehört nun zu mir und ich bin seine Mama! Das ist ein unglaublich erfüllender Gedanke, verknüpft mit einem sehr starkem Gefühl des Verantwortungsbewusstseins, Friedens und Dankes.

Gott ist treu und ich bin ihm unendlich dankbar für dieses kleine wundervolle Geschöpf!

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