Der häufigste Kommentar während meiner Schwangerschaft bezog sich auf die Größe meines Bauches. Immer war er allen zu klein – und egal, mit welcher Absicht das kommentiert wurde, es hat mich jedes Mal enorm herausgefordert, damit umzugehen. Ändern kann ich eh nichts dran. Das Baby hat bis jetzt immer reingepasst und die Haut wurde auch nicht überstrapaziert, was ja schön ist. Ich blieb immer etwas unsicher und sprachlos zurück – was sagt man denn am besten darauf? „Äh, ich finde schon, dass er groß ist…“, oder: „Die Ärzte haben alles im Blick, für das Baby ist genügend Platz…“?

Mittlerweile bin ich es gewohnt, dass die Anderen gern alles kommentieren und ihre Meinung äußern, ohne darüber nachzudenken, was sie eventuell damit an Schaden anrichten könnten. Wer weiß, wie oft mir selbst das passiert! Letztendlich ist es dann meine Verantwortung, wie ich damit umgehe. Ich habe mir angewöhnt, meinem Baby daraufhin gleich zuzusprechen, dass es genau richtig ist, dass es nicht zu klein ist, dass die Größe nichts mit seinem Wert zu tun hat und dass ich es unendlich liebe, egal, wie groß es ist. Sogar meinen Mann habe ich gebeten, nicht mehr „kleines Baby“ zu sagen – obwohl das natürlich liebkosend gemeint war.

Baby, du bist genau richtig so!

So, und nun, in der 36. Woche, stehe ich unter regelmäßiger Kontrolle, weil mein Baby viel zu klein ist. Es hat den Stand von vor sechs Wochen. Nun bekomme ich ständig CTG und Doppler-Sonografie, um die Versorgung zu überprüfen. Alles dreht sich nur noch um das viel zu leichte Baby – in der Geburtsvorbereitung, in Gesprächen, in meinem Kopf. Noch dazu reden alle davon, dass das Baby falsch herum liegt: Es muss dringend seinen Kopf nach unten drehen!

Während ich selbst durchgängig versuche, alle Sorgen loszulassen und Gott zu vertrauen, dass er spätestens rechtzeitig handeln wird, spüre ich mehr und mehr, wie das Baby unter Beschuss steht. Ich möchte ihm zusprechen, dass es nicht falsch herum liegt, dass es sich die Zeit nehmen kann, die es braucht, um sich zu drehen, dass es sich alles aus meinem Körper nehmen darf, was es braucht. Ich will ihm nicht vor seinem Start ins Leben bereits mit Konsequenzen drohen und auf die Fehler hinweisen, die es macht.

Aber nun ist es nicht länger nicht ganz dem Normwert entsprechend, sondern definitv zu leicht und gefährdet. Auch in mir wird nun der Satz immer lauter: Wenn es nicht sofort alles nach Plan macht, wird es im schlimmsten Fall operativ geholt! Wir sind nun mal gefangen in den Strukturen, sie geben uns Orientierung für die Gesundheit des Babys. Der Termin rutscht näher und die Zeitpläne sind fest vorgeschrieben. Klar, es könnte sich theoretisch auch noch am allerletzten Tag von allein drehen, aber die entsprechenden Maßnahmen würden wir bereits vorher ergreifen.

So befinde ich mich also wieder mal in einer Woche des Abwartens. Wie damals, vor fast genau einem Jahr. Am Montag ist der nächste Ultraschall. Wie viel wird es wiegen, wie wird es liegen?

Wieder hoffe ich auf ein Wunder, auf plötzliches enormes Wachstum, auf eine spontane selbstständige Drehung, auf positive und beruhigende Befunde. Gleichzeitig bereite ich mein Innerstes auf alle anderen Alternativen vor: eine äußere Wendung, statt der geplanten Hausgeburt eine Krankenhausgeburt in einem riesigen Klinikum oder sogar Kaiserschnitt.

Und in all dem Chaos ist mein Innerstes total aufgewirbelt. Was stimmt nun schon wieder nicht? Wieso kann nicht mal einfach alles total normal verlaufen? Das ist doch nun die natürlichste Sache der Welt, wieso funktioniert das bei mir nicht?

Aber so ein Baby ist und bleibt ein Wunder an sich.

Es lebt, es turnt in mir herum, es lässt mich spontan laut losprusten, wenn es einfach zu niedlich ist, und es berührt mein Herz immer wieder im tiefsten Inneren. Es liegt in Gottes Händen und dort möchte ich es auch lassen. Voller Freude will ich in die Zukunft blicken, lachend und vertrauend.

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