Gebet

HERR, 

ich rufe enttäuscht zu Dir, ich klage über die Ungerechtigkeit und Deine Abwesenheit! Ich verzweifle laut über Deinem Nicht-Eingreifen und über Deiner Passivität!

Und gleichzeitig werde ich ganz still vor Dir. Still, denn ich weiß, Du bist gut. Ich weiß, dass ich so klein bin und Dich nur nicht verstehe. Ich weiß, Du weinst mit mir und tröstest mich. Du bist direkt an meiner Seite und wirst mich hier durch tragen. Du hast eine Zukunft für uns, Du hälst Gutes für uns bereit.

Vergangenen Donnerstag hörte das Herz unseres Sohnes auf zu schlagen.

Attacke!

Der Teufel weiß  genau, wo er ansetzen muss. 

Unsere Ehe ist noch sehr jung, und auch davor waren wir nicht so lang zusammen. 

Mein Mann und ich sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und es ist nicht immer leicht, den anderen zu verstehen in seiner so anderen Herangehensweise. Aus diesem Grund war unser Start in die Ehe recht intensiv und herausfordernd – zumindest würde ich das ehrlicherweise so sagen.

Wir beide haben davon profitiert und der Biss, den wir beide haben, hat sich als guter Antrieb erwiesen. 

Na, viel Zeit blieb uns ja auch nicht, unsere Ehe wurde von Anfang an auf die Probe gestellt…

Uns beiden war immer klar, dass wir reichlich Familie gründen wollen – kommen wir doch beide aus Großfamilien. Und was passiert?

Das erste Kind schafft es nicht mal auf diese Welt, und das zweite stirbt nach wenigen Monaten fast.

Für uns sind das alarmierende Zeichen, dass wir voll im Schussfeld des Feindes stehen. Wir müssen uns schützen, dürfen es nicht auf uns selbst, den anderen oder Gott schieben. Wir dürfen nicht aufgeben und beispielsweise vor lauter Einschüchterung keine Kinder mehr planen. 

Denn gleichzeitig bestätigt es uns auf eine herausfordernde, motivierende Art, genau an diesen Dingen festzuhalten. Unsere Ehe ist etwas starkes, was der Teufel scheinbar nicht will; unsere Kinder tragen offensichtlich ein Potential in sich, das der Teufel fürchtet und vernichten will. 

Heute Vormittag wurde unser Sohn in eine andere Klinik verlegt. Der Abschied fiel uns schwer, da wir bereits so vertraut mit allem waren und die Schwestern und Ärzte so ins Herz geschlossen hatten. Als wir dann auf der neuen ITS im Wartezimmer saßen, berichtete uns eine Schwester, dass hier jeweils nur ein Besucher pro Tag geduldet werde. Das bedeutet, dass mein Mann und ich uns nun tageweise abwechseln müssen. Tage, an denen einer von uns unseren Sohn gar nicht sehen darf, lediglich Minuten, die wir mit dem Partner verbringen und viele Dinge, die jeweils einer von uns beiden verpassen wird. Unsere wertvolle Familienzeit der letzten Wochen ist mit einem Mal zu Ende.

Bei all dem Ärger und der Unverständnis, die ich bei dieser Regel verspüre, so zeigt es mir doch, dass der Teufel zwar genau die empfindlichsten Punkte angreift, aber auch, dass Gott letztendlich doch das letzte Wort hat. Er hat es in den letzten zwei Wochen nicht zugelassen, dass mein Mann und ich getrennt werden. Wir durften stundenlang gemeinsam am Bett unseres Kindes sitzen, gemeinsam die schwerste Zeit unseres Lebens ertragen. Ohne meinen Mann hätte ich das nicht geschafft – das wurde mir in den kurzen Momenten, in denen ich alleine war, klar. Denn da fiel sofort alles über mir zusammen. Er war mein Fels und das konnte der Teufel mir nicht nehmen.

Jetzt ist es hart, unfair und es bäumt sich etwas in mir auf – aber mittlerweile glaube ich, dass wir das schaffen können, auch mit solch unmenschlichen und sinnlosen Regeln.

Der Teufel kann an der Oberfläche kratzen, immer und immer wieder. Und er kennt die sensiblen, verwundbaren Stellen genau. Aber Gott ist größer. Er hat die Hand drüber und weiß, wo unsere Grenzen liegen.